Todesanzeigen an der Autobahn! – Repost 06.08.2008

803 Worte|
Ein mit 749 Worten im Original viel zu langer Post. Höchstwahrscheinlich damals von mir direkt im Stau geschrieben. Grandios deshalb der Kommentar des H. vom 19. Oktober 2009(!) unter meinem Post vom 06. August 2008:
“Völlig wirrer Beitrag!
Kryptische Kausalketten!
Der unterschätzt .. äh ..überschätzt sich gewaltig.
Zieht diesen Mann aus dem Verkehr!
H.”

Aber lest selbst:

“Wenn einer eine Reise tut, kann er was erleben. Ua. bei Radarfallen in Baustellen, Reisenden aus Mettmann oder der aktuellen Anti-Raserei-Kampagne eines glücklosen Verkehrsministers. Ein Erfahrungsbericht.

Verstaendnis“Wir danken für Ihr Verständnis!” ist der Spruch, den man zu hassen lernt auf deutschen Autobahnen.
Selbstverständlich sind wir froh, keine Reklame zu sehen am Straßenrande. Aber dieser zynische Spruch macht inzwischen auch keinen Sinn mehr, da man ihn alle paar hundert Meter zu jeder noch so unpassenden Gelegenheit über sich ergehen lassen muß.

Wir haben auch nichts gegen Mettmanner, sie sollten nur nicht Auto fahren.
Das gilt natürlich auch für alle WW-, BM-, etc.-Kennzeichen. Jeder kennt sie, jeder überholt sie gerne.
Wenn er denn gelassen wird, denn diese Völkchen bestehen allesamt aus einer anregenden Mischung aus Rentnern mit Hut, Seltener-als-Sonntags-Fahrenden, Polizei-Spitzeln und Fahrlehrern vor dem Herrn.

So sind sie natürlich auch vor mir unterwegs und kündigen nicht nur Staus an, sondern sind die Staus. Vielleicht sollte man sie mit dem berühmten Satz an der Rückscheibe ausstatten: “Wir danken für Ihr Verständnis!”

Vielleicht sind sie aber auch nur vom Verkehrsminister bestellt und bezahlt, um den mit 123 km/h vor sich hinrasenden Verkehr zu bremsen und Deutschlands Straßen wieder vermeintlich sicherer zu machen.

Das nämlich wird die aktuelle Kampagne des Ministers – ‘Todesanzeigen an der Autobahn!’ möchte ich sie nennen – wohl nicht schaffen.

Lange war ich nicht mehr auf größerer Strecke mit dem Auto mobil. Umso überraschter war ich dieser Tage, als ich der für mich neuen Kampagne gegen Raserei an bzw. auf Deutschlands Autobahnen angesichtig wurde. Das ist die mediale Keule par Excellence.

Sie sorgt eher für eine Raserei des Herzens und der Wut, die man im Bauche verspürt, wenn an der Autobahn plötzlich Todesanzeigen auftauchen, mit schwarzem Rand und kleinem Photo der Familie oder der Jugendlichen, die dort vermeintlich zu Tode gekommen sind. Denn des Menschen unbewußte Neugier sorgt dafür, daß er lesen will, was dort in viel zu kleinen Lettern die Konsequenzen des Rasens anprangern will.

In gefühlter Schriftgröße 12 – also ungefähr so groß wie dieser Text hier – steht dort sinngemäß: Peter, Paul and Mary fuhren gern schnell. Peter, Paul and Mary wollten schnell nach Hause. Wunderschön gedichtet, aber eben viel zu klein. Im Zweifel auch zu kleingeistig.

Aber auch Kryptisches wie: “Peter, Paul and Mary – Motorradleistung überschätzt.” findet man – wofür man ja eigentlich noch nicht sterben muß.

Die kleine Schrift ein eleganter Schachzug des Verkehrsministers, um möglichst viele Wagen von der Straße zu bekommen? Oder Selffulfilling Prophecy, um zu zeigen, wie gefährlich Deutschlands Straßen sind, hängt man nur die richtigen Bilder an deren Rande auf?

Unten rechts in der Ecke steht dann noch “Runter vom Gas!” – was man längst getan hat, wollte man doch lesen, wer dort und warum gestorben ist. Was einen nur seinem Gotte näher bringt, denn der nachrückende Verkehr ist erbarmungslos.

Vielleicht sollte der Minister nochmal selbst daran vorbeifahren – oder seine Agentur – oder man sollte sich mal bei Ströer, etc. erkundigen, wie groß die Schrift sein muß.

Interessant auch, daß hier überhaupt keine alten Leute auf den Photos sterben. Dabei sind sie – analog ME-, WW-, BM-Kennzeichen – doch weitaus gefährdeter.

Höchstwahrscheinlich werden sie die Stars einer neuen Kampagne sein, in der es um die Wiederauferstehung des Einzelnen geht, und die mit dem Slogan ‘Rauf aufs Gas!’ werben wird, damit man endlich wieder vernünftig schnell und zügig um die Ecke und ans Ziel kommt.

‘Runter vom Gas!’ muß man doch sowieso an jedem Schlagloch dieses maroden Systems, dessen Symptome sich in Brückenschäden, Baustellen aufgereiht wie Perlen an einer Kette, fetten Tiefbau-Millionären und reichen Kommunalpolitikern zeigt. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Während wir mit 40 über die Brückenschäden tuckern, winkt uns der freundliche ICE von der 20m entfernten neuen ICE-Brücke zu, lächelt und fordert uns auf zum Wechsel auf die Schiene.
Gerne würden wir im folgen, wäre er pünktlich, würde er nicht an jeder Milchkanne halten, wäre er sein Geld wert und würde die Bahn nicht versuchen, uns aus ihren Höfen zu drängen, indem sie dort Markenwelten, die uns mit ohrenbetäubendem Lärm ihre Botschaften einhämmern wollen, aufbaut. Wir danken für Ihr Verständnis!

Um noch mehr zu verdienen, hat die Polizei in der 80er-Zone der folgenden Baustelle noch ein paar Schilder mit der 60 aufgestellt.
Mal sehen, ob auch wir es ins Fernsehen geschafft haben.
Schenkelschlagend lachen uns die Polizisten zu, der Bonus ist gesichert. Gebracht hat es nichts. In deutschen Städten werden weiter Rentner verprügelt.

Wir danken für Ihr Verständnis!”

In diesem Sinne!
| Great Drivers Lead by Example! – Vor allem, wenn gerade keiner guckt.
| #greatdrive #learningsfromthefield

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